Der Lustige Friedhof – Cimitirul Vesel

Ein weltweit bekanntes Reiseziel in Rumänien

Der Lustige oder Fröhliche Friedhof ist weltweit für seine farbenfrohen, geschnitzten und bemalten Holzkreuze bekannt, welche außerdem mit witzigen Bildern und Versen verziehrt sind. Die Gemeinde Sapanta, mit ca. 3.000 Einwohnern, befindet sich  im Nordwesten Rumäniens in der Region Maramures, nahe der urkrainischen Grenze.

Ein Rumänienurlaub mit Farbe und Humor

Verantwortlich für den farbenfrohen Friedhof ist der Bildhauer, Maler und Dichter Ion Stan Patras. Im Jahre 1935 fing der Junge Ion an, bunte Kreuze für einen Verwandten anzufertigen; mittlerweile sind es zwischen 700 und 800 kunstvoll angefertigte Holzkreuze. Im Jahr 1977 starb Patras im Alter von 69 Jahren. Seidem führt sein einstiger Lehrling und Azubi Dumitru Pop seine Kunst in Sapanta fort.

Bevor er starb, hatte Patras sich sein eigenes Holzkreuz, mit einer humorvollen Nachricht für die Nachwelt, angefertigt:

„Seit dem 14. Lebensjahr musste ich Geld verdienen. Aus 62 Ländern haben sie mich bis gestern besucht, aber wer jetzt noch kommt, der wird mich nicht mehr finden.“

An diesem Zitat kann man erkennen, dass in der Gemeinde Sapanta mit dem Tod ironischer umgegangen wird, als im Rest des Landes. Die Menschen hier sind sich zwar dessen bewusst, dass sie eines Tages sterben werden; allerdings fragen sie sich stets, wie dies geschehen wird.

Rumänien wie aus dem Geschichtsbuch

Der Friedhof ist wie ein Geschichtsbuch oder wie eine Art „Open Air Museum“ der Dorfbewohner von Sapanta. Die Bildnisse, die auf den Kreuzen dargestellt werden, sind außerordentlich fröhlich und haben nichts mit der Düsterkeit oder Finsternis zu tun, mit der viele Leute Rumänien schonmal in Verbindung bringen.

Die Kreuze bestehen aus Eichenholz und werden selbstverständlich von Dumitru Pop per Hand angefertigt. Nachdem die Struktur und die Muster, sowie die Bilder geschnitzt wurden, bekommt das Kreuz eine Grundierung in der Farbe „Sapanta Blau“. Die Farben der Bilder sind immer fröhlich und hell wie z.B. gelb, rot, grün oder weiß. Die sogenannten Spitzdachkreuze haben manchmal auf beiden Seiten Malereien und Verse. Auf einer Seite wird das gelebte Leben dargestellt und auf der anderen Seite die Art und Weise wie der Vertorbene ums Leben kam.

Für manch einen makaber, aber definitiv eine Reise wert

Von einem Bauern wird beispielsweise erzählt, wie gewissenhaft er seine Arbeit auf dem Hof verrichtete, vom Schäfer, wie er seine Herde durch die Berge führte, vom Jäger, wie er mit seiner Waffe auf die Jagd ging, vom Metzger, Bäcker oder auch von Arbeitslosen gibt es Malereien, die den ganzen Tag nichts machten, außer in der Kneipe zu sitzen und den Schnapps „Horinca“ zu trinken. Ein ganzes Dorf ist hier mit seinen Geschichten verewigt und immer wieder kommen neue dazu.

Die geschnitzten Texte und Bildnisse zeigen das Leben des Toten auf eine amüsante, aber manchmal auch makabere Art und Weise.

Die bekannteste Schwiegermutter Rumäniens

Das meistbesuchte und lustigste Kreuz auf dem Friedhof in Sapanta ist das der „Schwiegermutter“. Es gibt sogar Schilder auf dem Friedhof, die die Richtung des Grabes der Verstorbenen anzeigen. Hier ein Auszug ihres Grabes:

Sub această cruce grea                                  Unter diesem schweren Kreuz
Zace biata soacră-mea                                  liegt meine selige Schwiegermutter.
Trei zile de mai trăia                                     Wenn Sie noch drei weitere Tage gelebt hätte,
Zăceam eu şi citea ea                                    wäre ich jetzt da unten und Sie würde das lesen.
Voi care treceţi pă aici                                  Ihr, diejenigen die hier vorbeiziehen,
Încercaţi să n-o treziţi                                  versucht, sie nicht aufzuwecken.
Că acasă dacă vine                                        Denn wenn sie wieder nach Hause kommt,
Iarăi cu gura pă mine                                   wird sie wieder mit mir streiten.
Da aşa eu m-oi purta                                    Aber ich werde mich so verhalten,
Ca-napoi n-a înturna                                    dass Sie nicht wieder kommt.
Stai aicea dragă soacră-mea                        Bleib hier meine geliebte Schwiegermutter!

 

Wenn jemand in Rumänien in den Dörfern stirbt, wird lange Abschied genommen. Es sei denn, es ist Sommer und sehr warm, dann geht alles ein wenig schneller. Drei Tage ist der Leichnam im besten Zimmer des Hauses auf dem Tisch in einem Sarg aufgebahrt. Alle Dorfbewohner kommen dorthin, um vom Toten Abschied zu nehmen. Die Männer unterhalten sich meistens draußen und spielen Karten und die Frauen singen ihre Klagelieder.

Wissenswertes vor Antritt der Reise: Über die Sprache

Für den Lustigen Friedhof muss man die rumänische Sprache nicht unbedingt beherrschen, da die typischen Szenen aus dem Leben des Toten malerisch dargestellt werden und somit für jeden verständlich sind. Die detailreichen Bilder auf dem Lustigen Friedhof sind definitiv einen Besuch wert und der Eintritt beträgt auch nur 5 RON (1,10€) pro Person, zzgl. 5 RON für die Fotografierfreigabe.

Bildquellen

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