Reisen durch Rumänien mit dem Wohnmobil

Iris und Uwes WoMo Welt

Seit August 2017 haben wir unseren Malibu Van 600 DB Charming, den wir liebevoll “Prinz” nennen. Im Mai 2018 haben wir unseren YouTube-Kanal “Iris und Uwes WoMo Welt” gegründet, in dem wir rund ums Wohnmobil und über das Reisen mit dem Wohnmobil informieren und unsere bereisten Länder vorstellen.

Im September 2019 haben wir unsere 3-wöchige Reise mit dem Wohnmobil nach Rumänien angetreten. Allen Vorurteilen zum Trotz haben wir unseren Prinzen gepackt und fuhren über Österreich und Ungarn in den Norden Rumäniens. Inspiriert zu dieser Reise haben uns unsere Youtube-Kollegen Steffi und Lui von Comewithus2.

Die historische Region Maramures

Unser erstes Ziel ist die ländliche Gegend von Maramures . Wir besuchen den “Fröhlichen Friedhof” in Săpânţa. Seinen ungewöhnlichen Namen hat der Fröhliche Friedhof aufgrund seiner kunstvoll gestalteten, farbenprächtigen Kreuze, die noch dazu mit einem ironischen Nachruf des jeweiligen Toten versehen sind. Den Namen “Fröhlicher Friedhof” fanden wir erst befremdlich aber als wir ihn gesehen hatten, waren wir von der Art, wie die Rumänen mit einem vermeintlich ernsten Thema umgehen, sehr beeindruckt.

Wir finden einen Campingplatz (Babou) der sich nahtlos in das Dorf Breb einfügt. Hier fühlen wir uns um 100 Jahre zurückversetzt. Wir sind überwältigt von der Ursprünglichkeit dieser Gegend. Direkt neben unserem Campingplatz gehen wir bei Local Food and Garden zum Essen. Geführt von einer sehr sympathischen Holländerin, die sich in das Land verliebt hat und hier her gezogen ist, genießen wir die traditionelle, hervorragende Küche Rumäniens gepaart mit der warmen Gastfreundschaft, die uns empfing.

Das Dorf “Breb” ist wunderschön und sehr sehenswert. Wir konnten gar nicht mehr aufhören zu filmen und zu fotografieren. Diese Ursprünglichkeit und Einfachheit hat etwas faszinierendes, was wir so gar nicht mehr kennen. Breb nimmt uns in seinen Bann und wir werden völlig entschleunigt. Das ist Urlaub! So schön es auch war, uns zog es weiter. Wir wollten so viel wie möglich von Rumänien sehen und  fahren mit dem Wohnmobil in die Karpaten und verbringen die nächste Nacht auf 1500 m Höhe. Weit und breit niemand zu sehen, genießen wir die Einsamkeit und machen ein gemütliches Feuer an einer der vielen möglichen Feuerstellen in Rumänien.

Rumänien ist das Land der Bären und Wölfe

Wir wissen, in Rumänien gibt es 6.000 Bären und einige tausend Wölfe – aber wir haben keine Angst. Wir sind im Einklang mit der Natur und genießen die friedliche Stimmung. Besucht haben uns zwar keine Bären aber dafür ein paar wilde Schweine. Die haben sich aber weniger für uns, als für das Gras interessiert. Wir sind Teil des Ganzen und gehören einfach mit dazu.

Nach herrlichen ruhigen Stunden auf den Karpaten geht unsere Reise weiter. Wir fahren zum Kloster Voronet. Das Kloster Voroneț liegt in Rumänien nahe der Stadt Gura Humorului im Dorf Voroneț. Seit über 500 Jahren und trotz rauer klimatischer Bedingungen sind die Fresken und Wandbilder gut erhalten. Die blaue Farbe in den Bildern ist als Voronet-Blau bekannt- ähnlich wie das Tizianrot. Wir waren sehr beeindruckt, wie viel Zeit und Liebe einst in dieses Kunstwerk gesteckt wurde.

Weiter östlich zieht es uns nun nach “Berca” . Hier wollen wir die Schlammvulkane besuchen. Direkt bei den Schlammvulkanen finden wir einen Campingplatz “La Hangar” für unser Wohnmobil in Rumänien. Der perfekte Ausgangspunkt zu den Schlammvulkanen, die nur 500 m entfernt liegen. Das Gebiet wurde 1924 als Naturschutzgebiet erklärt. Die Schlammvulkane sind Kegel im Boden, aus denen Erdgas, Schlamm und Ton nach oben befördert werden. Der Schlamm aus dem Erdinneren enthält viele Salze und Schwefel, daher können sich nur wenige Pflanzen auf dem vulkanischen Gebiet ansiedeln. Die Abwesenheit von Flora und Fauna machen das Gebiet der Schlammvulkane zu einer regelrechten Mondlandschaft.

Das zweitgrößte Delta Europas

Wir fahren mit dem Wohnmobil in den Süden zum Höhepunkt unserer Reise durch Rumänien. Ins Donaudelta… Über “Park4Night” finden wir in Murighiol den Camping Delta von Ovidiu. Was sollen wir sagen. Es passte alles. Ovidiu betreibt diesen kleinen Campingplatz auf dem 4 bis 5 Wohnmobile stehen können. Am nächsten Morgen starten wir mit Ovidiu eine 6-stündige Donau-Delta-Tour, die uns ewig in Erinnerung bleiben wird. Nachdem die Donau 2860 km von der Quelle nahe unserer Deutschen Heimat in Donaueschingen entspringt und bis zur Mündung ins Schwarze Meer fließt, verzweigt sie sich in eines der schönsten Deltas Europas und der ganzen Welt. Dieses Delta entstand vor über 10 000 Jahren. Es ist das zweitgrößte Delta Europas und das dritt artenreichste Gebiet der Erde nach dem Great Barrier Reef und den Galapagos Inseln.

Die atemberaubende Landschaft und die faszinierende Tierwelt beeindruckt uns. Ovidiu ist der perfekte Tour-Guide. Er erklärt uns in sehr gutem Englisch die Welt des Donau-Deltas und der Menschen, die dort leben. Wir stoppen unsere Bootstour an einem Fischerdorf und lernen die rauhen Bedingungen des Lebens als Fischer kennen und schätzen.

Als nächstes schauen wir uns das Dorf “Caraorman” an. Auf der Sandbank Caraorman befindet sich auch das gleichnamige Dorf. Das Dorf Caraorman hat eine Länge von 3,5 Kilometer und eine Breite von etwa 500 Meter. In den verlassenen Häusern sind Esel eingezogen. Diese leben frei und finden hier Schutz vor Regen und Sonne. Es war ein unvergessenes Erlebnis – Vielen Dank Ovidiu.

Auf dem Campingplatz besucht uns der kleine Kater “Strull”, der uns wahnsinnig ans Herz gewachsen ist. Er hat unser Wohnmobil, den Prinzen schon als sein Zuhause angesehen und fühlte sich in unserer Gesellschaft richtig wohl. Der kleine Strull gehört aber zu Ovidiu und ist dort gut aufgehoben. Zu gerne hätten wir ihn mitgenommen. Die Donau fließt ins schwarze Meer und genau dahin zieht es uns. Schweren Herzens verlassen wir den Camping Delta und fahren in den südlichsten Punkt unserer Reise.

Mit dem Wohnmobil am Schwarzen Meer

In Vadu finden wir einen schönen Stellplatz für unser Wohnmobil direkt am Schwarzen Meer in Rumänien. Es ist Wochenende und einige Einheimische genießen wie wir die Atmosphäre am Strand und die wunderbar salzige Luft. Hier verbringen wir zwei wunderschöne Tage. Noch nie haben wir so viele Muscheln am Strand gesehen. Man traute sich kaum, dort zu laufen um die schönen Muscheln nicht zu zerstören. Für Unterhaltung sorgt eine freilaufende Stute mit ihrem Fohlen. Die Zwei fühlen sich wohl und wurden natürlich mit Brot und sonstigen Leckereien für die Unterhaltung belohnt.

Eigentlich mögen wir keine Städte und meiden diese. In der Natur fühlen wir uns einfach wohler. Da uns aber Bukarest empfohlen wurde, sind wir dort hingefahren. Direkt an der Altstadt haben wir einen bewachten Stellplatz für unser Wohnmobil gefunden. Wir haben einen wunderschönen Abend in der Altstadt verbracht. Viele Restaurants und Bars reihen sich hier aneinander. Wunderschöne Sitzplätze animieren zur Einkehr und auch hier haben wir wunderbar traditionell gegessen und genossen das bunte Treiben.

Nach einer ruhigen Nacht auf unserem Stellplatz besuchten wir am nächsten Morgen das zweitgrößte Gebäude der Welt, das “Parlamentsgebäude”, von Nicolae Ceaușescu erbaut. Unzählige Wasserspiele vor dem Parlamentsgebäude machen neugierig. So etwas kennt man sonst nur aus Las Vegas. 20.000 Arbeiter haben in 5 Jahren das Gebäude fertig gestellt. Es wurde 24 Stunden am Tag daran gebaut. Nach einem Stadtbummel in Bukarest haben wir genug gesehen und uns zieht es wieder aufs Land und zwar in Richtung “Brasov”.

Auf den Spuren von Dracula

In Brasov angekommen ist unser erstes Ziel das Castel Peles [Schloss Peles]. Wir glauben, dass hier ein Netflix-Weihnachtsfilm gedreht wurde. Das Castle ist ein Märchenschloss und beeindruckte uns voll und ganz. Ein so schönes Schloss haben wir noch nie gesehen. Der Besuch hat sich gelohnt. Brasov selbst ist eine wunderschöne Stadt, deren Besuch sich auf jeden Fall lohnt. Auch dort haben wir die vorzügliche rumänische Küche genossen.

Was wäre Transylvanien ohne einen Besuch des berühmten Draculaschlosses “Bran”. Obwohl Vlad nie dort war, ist es ein schöner Ausflugspunkt für Touristen. Das Bärenreservat Zărnești, auch Libearty Bear Sanctuary, im rumänischen Zărnești ist mit einer Fläche von 69 Hektar das größte Bärenschutzzentrum Europas sowie – nach eigenen Angaben – das größte für Braunbären weltweit. Dieses Reservat stand auf unserer Zielliste, welche wir vor unserem Urlaub in Google Maps erstellt haben. Wir stehen mit unserem Wohnmobil direkt am Bärenreservat und übernachten dort.

Wer hier irgendwelche Bärenattraktionen erwartet, der liegt falsch. Es leben hier über 100 Braunbären, die durch ihr Leben in Gefangenschaft bzw. Gewöhnung an den Menschen in freier Wildbahn nicht überleben könnten. Da sich das Reservat nicht als Zoo versteht kann es lediglich vormittags im Rahmen von Führungen in Rumänisch oder Englisch besucht werden. Hierdurch versucht man, die Tiere so wenig wie möglich zu stören.

Wir haben die englische Tour gebucht. Was wir da hörten, hat uns sehr betroffen gemacht. Unvorstellbar, was die Bären erleiden mussten, bevor sie in das Reservat gekommen sind. Vielen Dank, dass es dieses Reservat gibt und die Tiere eine Chance auf ein gutes Leben erhalten. Sibiu [Hermannstadt] ist unser nächstes Ziel. Wenn man nach Rumänien fährt, egal ob mit dem Wohnmobil oder mit dem Auto, muss man diese Stadt Sibiu besuchen. Unzählige Restaurants und Geschäfte säumen die Straßen. Die Stadt hat ihren ganz eigenen Flair ohne Großstadtfeeling aufkommen zu lassen.

Camping in Rumänien

Auch hier genießen wir die vorzügliche rumänische Küche und genießen den Tag im bunten Treiben der Stadt. Ca. 5 km von Sibiu entfernt gehen wir auf den Campingplatz “Ananas”. Ein schöner Platz mit vielen Schatten spendenden Bäumen, sauberen sanitären Anlagen und Ent- u. Versorgungsmöglichkeit. Auf dem Platz war wesentlich mehr los als bisher auf unserer Reise, welches auch dem deutschen Campingplatzbetreiber zu verdanken ist.

Laut den Drei von Top Gear ist der Transfagarasan die schönste Straße der Welt. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Wir wurden nicht enttäuscht. Auf 2.034 m Höhe zwar ziemlich kalt aber traumhaft schön. Wir machten eine kleine Wanderung und konnten so noch mehr von dieser beeindruckenden Gegend sehen. In der Nacht fielen die Temperaturen auf den Gefrierpunkt. Hier brauchten wir zum ersten Mal in Rumänien die Heizung im Wohnmobil.

Haben wir gesagt, dass man sich Sibiu nicht entgehen lassen soll? Das zählt für Viscri [Deutsch-Weißkirch] gleichermaßen. In unserem Reiseführer nicht zu finden aber dafür erinnern wir uns an eine Dokumentation, die wir noch vor unserer Reise gesehen haben, an diese Stadt. Diese Stadt ist Weltkulturerbe und sogar Prinz Charles hat eine Herberge und verweilt jährlich ein paar Wochen hier.

Man fühlt sich um 100 Jahre zurückversetzt. Wir stehen mit dem Wohnmobil auf einem Hügel neben der Stadt und können von da aus die ganze Stadt sehen. Am Abend kommen alle Schafe, Ziegen, Kühe und Pferde von den Weiden selbständig zurück und gehen jeder für sich dahin, wo er hingehört. Ein unglaubliches Spektakel, welches man sich nicht entgehen lassen sollte. Deutsch-Weißkirch ein absolutes Muss für Rumänien.

Sighisoara und Salina Turda

Nach Deutsch-Weißkirch fahren wir gemütlich durch West-Transylvanien (Siebenbürgen) und schauen uns Sichisoara [Schäßburg] an. Man sagt: “wenn Dir Sibiu gefällt, dann verliebst du Dich in Schäßburg”. Schäßburg ist eine wunderschöne Stadt mit vielen bunten Häuschen. Vor dem Salina Turda [Das Salzbergwerk in Turda] reicht es noch zu einer Wanderung durch die Schlucht – Cheile Turzii . Hier treffen wir auf eine Fledermaushöhle, die uns sehr beeindruckte.

Auf einem Übernachtungsplatz treffen wir einen Schäfer mit seinen 6 Hunden. Wir teilen mit dem Schäfer ein paar unserer Vorräte und geben ihm für seine Hunde unsere letzte große Dose gekauftes Hundefutter. Ja okay – sie haben noch die Reste der Spaghetti Bolognaise bekommen.

Weiter gehts  mit dem Wohnmobil zur Saline Turda, zu einem ehemaligen Salzbergwerk. Darin soll sich ein Vergnügungspark befinden. Es geht dort über Stufen 150 m tief in die Erde. Die Atmosphäre in den riesigen Hallen samt unterirdischem See ist unbeschreiblich. Man muss es einfach erlebt haben.

Unser Reiseabschluss ist der Besuch der Scărişoara Eishöhle . Sie zeigte uns eher unspektakulär. Wir denken, dass die Eishöhle in den Wintermonaten oder bei mehr Regen beeindruckender ist. Bei uns war es ziemlich trocken und dadurch von Eis wenig zu sehen.

Knapp 3 Wochen sind nun vorbei und wir müssen die Heimreise antreten. Ca. 12 Stunden reine Fahrzeit mit dem Wohnmobil muss man von Rumänien bis München rechnen.

Unser Fazit zu Rumänien mit dem Wohnmobil

Rumänien ist ein wunderschönes Reiseland, welches leider wegen Vorurteilen wenig besucht wird. Wir allerdings geben jedem Land die Chance, sich zu zeigen, wie es ist. Rumänien bietet eine wunderschöne abwechslungsreiche Landschaft und eine vielfältige Tierwelt. Die Menschen dort sind offen und unvoreingenommen. Wir haben uns in jedem Moment wohl und sicher gefühlt.

Vielen Dank Rumänien – wir kommen ganz sicher wieder.
Iris und Uwe
Ihr findet uns in YouTube unter “Iris und Uwes WoMo Welt

Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute ,
welche die Welt nicht angeschaut haben.
Alexander von Humboldt

Autoren und Fotografen : Iris und Uwe

Weitere Impressionen Rumäniens

Besuchen Sie uns auf Instagram